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Hymer-Leichtmetallbau | 15. Juli 2017

Welches Fahrgerüst darf’s denn sein? Was vor dem Kauf einer fahrbaren Arbeitsbühne bedacht werden sollte

Bei länger währenden Arbeiten in der Höhe sorgen Gerüste für einen ­ergonomischen und vor allem sicheren Stand. Je nach auszuführender Tätigkeit und jeweiliger Arbeitsumgebung muss das jedoch nicht unbedingt ein aufwendig zu montierendes Fassaden­gerüst sein. Moderne Fahrgerüste bieten die gleiche Sicherheit, sind flexibler einzusetzen und deutlich zeitsparender aufzubauen. Das Angebot ist groß: Vor dem Kauf eines passenden ­Systems gilt es einige Aspekte zu überdenken.

Fahrgerüste stellen bei kleinflächigen, länger währenden Arbeiten in der Höhe eine flexible, sichere und günstige Lösung dar. © Hymer-Leichtmetallbau

»Stehen Arbeiten an kleineren Flächen an und ist die Stellfläche vor Ort ausreichend eben, ist ein schnell montierbares Fahrgerüst eindeutig die günstigere und auch flexiblere Option zu einem fest montierten Fassadengerüst«, sagt Volker Jarosch, Leitung Produktentwicklung Steigtechnik. »Es lässt sich schnell von einem Einsatz­ort zum nächsten fahren und kann sowohl im Außen- als auch im Innenbereich genutzt werden. Gerade kleinere Betriebe können so Aufwand, Zeit und Geld sparen.« Damit aus dem Kauf kein Flop wird, gilt es vor einer Anschaffung im Vorfeld jedoch genau abzuwägen, welches System das richtige für die eigenen Belange ist.
Eine der wesentlichen Fragen, die sich ein Betrieb vor der Anschaffung stellen sollte, ist die nach dem Einsatzort. Muss sich das Fahrgerüst an unebene Untergründe anpassen lassen, sollte das gewählte System über spindelbare Rollen verfügen. Wird das Gerüst zusätzlich im Innenbereich eingesetzt und dort häufig von einem Raum in einen anderen versetzt, bietet sich ein Fahrgerüst mit einem klappbaren Rahmenteil an.
Auch die geplante Arbeitshöhe sollte bedacht werden. Hier sind die Stabilität des Materials und die Art der Verarbeitung entscheidend, erklärt Volker Jarosch: »Wer besonders hoch hinaus möchte, sollte auf ein System mit geschweißten Rahmenteilen zurückgreifen. Es hat eine deutlich bessere Statik als Produkte, die beispielsweise gebördelt sind und ermöglicht daher höhere Arbeitshöhen.« Werden bei den Einsätzen oft unterschiedliche Gerüsthöhen benötigt, empfiehlt der Fachmann zudem ein modulares System, das bei Bedarf schnell und unkompliziert um zusätzliche Elemente erweitert werden kann.
Wichtig: Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen

Die modulare Fahrgerüstserie »Hymer Advanced Safe-T« von Hymer-Leichtmetallbau gewährleistet durch ein einteiliges, von unten einzuhängendes Sicherheitsgeländer während des Auf- und Abbaus kontinuierlichen Seitenschutz. © Hymer-Leichtmetallbau

Wie viel Platz am Nutzungsstandort zur Verfügung steht, ist ein weiterer Aspekt für die Wahl des passenden Systems. Hier gilt es, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lösungen gegeneinander abzuwägen, so Volker Jarosch: »Fahrgerüste, die durch Ausleger stabilisiert werden, benötigen im freien Raum zunächst einmal mehr Platz als mittels Traversen stabilisierte Fahrgerüste. Dafür sind sie aber flexibler, wenn das Gerüst an besonders schmalen Stellen zum Einsatz kommt, da die Ausleger einfach weggeschwenkt werden können.«
Je nach Nutzungsstandort ist aus Gründen der Standsicherheit eine zusätzliche Ballastierung nötig, die meist separat gekauft und mitgeführt werden muss. Die erforderliche Ballastierung ist abhängig davon, ob das Fahrgerüst im Innen- oder Außenbereich, freistehend oder an der Wand genutzt werden soll.
Ebenfalls entscheidend bei der Auswahl ist die Häufigkeit, in der das Fahrgerüst voraussichtlich eingesetzt wird. Bei einer nahezu täglichen Nutzung und einem häufigen Auf- und Abbau empfehlen sich langlebige Modelle mit massiven, geschweißten Rahmenteilen. Ist das Gerüst nur unregelmäßig im Einsatz, ist eine leichtere Variante mit gebördelten Rahmenteilen meist ausreichend. Wichtig ist auch die Belastung, der das Gerüst standhalten können muss. Stehen eine oder zwei Personen auf der Arbeitsbühne und müssen Materialien oder Baustoffe darauf abgelegt werden? »Die Belastungsfähigkeit eines Gerüstes lässt sich an der angegebenen Gerüstgruppe gemäß der europäischen Norm für fahrbare Arbeitsbühnen DIN EN 1004 ablesen. Darüber hinaus sind Gerüste in verschiedene Lastklassen eingeteilt, die über die zulässige Belastung pro Quadratmeter Aufschluss geben. So sind Gerüste aus der Gruppe 2 bis maximal 150 kg/m² belastbar, Produkte aus der Gerüst­gruppe 3 haben eine zulässige Belastung von 200 kg/m²«, erläutert Volker Jarosch.
Spezielle Konzepte minimieren Absturzrisiko
Die Sicherheit der Anwender sollte bei der Auswahl eines geeigneten Systems grundsätzlich Priorität haben. Neben Überbelastung, fehlerhaftem Aufbau oder beschädigten Teilen zählt vor allem die fehlende Absturzsicherung bei der Montage oder Demontage zu den häufigsten Unfallursachen beim Einsatz von Fahrgerüsten. »Beim Auf- und Abbau ist das Risiko eines Absturzes am höchsten, da zu diesem Zeitpunkt die sichernden Elemente wie Seitenschutzstreben teilweise noch nicht angebracht sind«, betont Volker Jarosch. In die engere Wahl sollten daher vorzugsweise Systeme kommen, bei denen dieses Risiko durch spezielle Sicherheitskonzepte minimiert wird, da sämtliche sicherheitsrelevante Teile schon vor dem Besteigen der Bühne vom Boden aus angebracht werden können – wie bei der Fahrgerüstserie »Hymer Advanced Safe-T«. Das patentierte, von unten einzuhängende Sicherheitsgeländer wird einfach in die Gerüstbühne eingeklinkt, über selbstsichernde Haken arretiert und gewährt beim Auf- und Abbau unerlässlichen Seitenschutz. Durch die geringere Anzahl an Einzelteilen wird zudem das Risiko minimiert, dass Teile auf der Baustelle fehlen und daher weggelassen werden.


EXPERTENTIPP

Volker Jarosch © Hymer-Leichtmetallbau

Drei Grundregeln für mehr Sicherheit
Damit auch die Nutzung der Neuanschaffung zu einer sicheren Angelegenheit wird, gibt Volker Jarosch noch drei Grundregeln mit auf den Weg: »Der Auf- und Abbau eines Fahrgerüsts sollte immer nach der Aufbau- und Gebrauchsanleitung des Herstellers erfolgen. Hierbei sorgt das Vier-Augen-Prinzip – also die abschließende Überprüfung des korrekten Aufbaus vor der Nutzung durch eine zweite Person – für noch mehr Sicherheit. Zudem sollten unbedingt die in der Anleitung aufgeführten Hinweise zur sicheren Nutzung befolgt werden. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Überprüfung aller Gerüstteile auf ihren Zustand und ihre Funktionsfähigkeit.«

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