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Mauerwerk & Beton

 

Hieber | 24. März 2018

Vorsprung durch Wissen: Bau-Infotage zeigen fachübergreifende Lösungen in geselliger Atmosphäre

Immer öfter müssen die Profis am Bau in ihrer täglichen Arbeit über ihr Fachgewerk hinausdenken: Nämlich dann, wenn interdisziplinäre Lösungen gefragt sind, die fachübergreifendes Know-how erfordern. Immer mehr Hersteller haben das auch erkannt und unterstützen die Anwender, indem sie – gemeinsam mit Systempartnern – ganze Lösungsketten anbieten, die weit über das eigene Produktsortiment hinausgehen. Einer der Vor-
reiter: Hieber, Hersteller von Betonfertigteilen. Alle zwei Jahre lädt das Familienunternehmen zu den Bau-Infotagen, wo Hersteller wie Schöck, Solidian, Braas, Schiedel, ACO oder Beck+Heun Wissenswertes aus dem Themenfeld Beton in Theorie und Praxis bieten. Auch dieses Mal war der baustoffPARTNER exklusiv dabei.

Geschäftsführer Christoph Hieber begrüßte die anwesenden Fachleute und Partner zu den Bau-Infotagen und stellte sein Unternehmen, die Standorte und die neuesten Produkte vor. ©Rieken

Von Jan Rieken
Praxis und fachlicher Austausch in geselliger Runde erwartet die Fachbesucher alle zwei Jahre, wenn Betonfertigteile-Spezialist Hieber nach Wörleschwang einlädt: Zwei Tage geballte Theorie und Praxis, am dritten Tag – bzw. Abend – steht dann eine Party an. Aber auch die »regulären« Seminartage erfahren eine Auflockerung: Am ersten Infotag bekamen die Teilnehmer zum Beispiel einen kurzweiligen Vortrag durch Markus Hofmann, den »Top-Speaker 2017«. Sein Thema: »Vorsprung durch Wissen – in jedem Kopf steckt ein Superhirn«.
Welchen Vorsprung solides Fachwissen den Profis am Bau bietet, machten zahlreiche Referenten deutlich, die mit ihren Unternehmen und Produkten nicht nur mit Messeständen vor Ort waren, sondern den Teilnehmern auch in kompetenten Kurzvorträgen anschaulich machten, für welche Probleme welche Produkte eine Lösung versprechen.
In seiner Begrüßung stellte Christoph Hieber sein Unternehmen, die Hieber-Standorte Wörleschwang, Waghäusel und Pegau sowie einige Produkte vor – und hielt sich dabei recht kurz, um den späteren Referenten nicht vorzugreifen.

Alle zwei Jahre veranstaltet Betonfertigteile-Hersteller Hieber am Unternehmenssitz in Wörleschwang bei Zusmarshausen die Bau-Infotage. Die Teilnehmer erwartet Wissenswertes rund um das Thema Beton sowie ein geselliger Rahmen, der zum fachlichen Austausch einlädt.

Schöck: Wärmebrücke neffektiv minimieren
Unter dem Vortragstitel »Effektive Wärmebrückenminimierung auf höchsten Niveau« ging es um Lösungen, die Schöck Bauteile zur Vermeidung von Wärmebrücken an Dach, Balkon, Wand, Attika und Wandfuß anbietet. Weiteres Thema von Produkt-Ingenieur Michael Krause waren Trittschall-Lösungen von Schöck für den Treppenbau. Krause erläuterte nicht nur den Unterschied zwischen Lambda- und Psi-Wert, sondern stellte auch neue Bauteile wie den »Isokorb XT Combar« vor: Mit Glasfaserbewehrung ermöglicht er auch den Balkonbau nach Passivhaus-Standards, erläuterte Krause. Zum Einsatz kommt er aber auch bei Großprojekten wie dem Neubau einer Pariser Metro-Strecke – der baustoffPARTNER berichtet in dieser Ausgabe auf Seite 74.
Gleichzeitig wies Krause auf die neue Schallschutz-Norm DIN 4109-1 und -2 hin: Die Anforderungen im gehobenen Wohnungsbau liegen nun bei 43 dB, im allgemeinen Wohnungsbau liegt der Wert bei 53 dB. Erreichen lassen sich diese Werte problemlos mit der »Schöck Tronsole« – dennoch rät der Profi, den Schallschutz werkvertraglich mit dem Bauherren zu vereinbaren: Denn je nachdem, ob es sich um ein öffentliches Gebäude oder ein privat genutztes Bauwerk handelt, kommen beim Schallschutz unterschiedliche »Rechtsbereiche« zum Tragen, erläuterte er. Im ersteren Fall greife die neue Norm, bei Privatbauten das BGB bzw. die »allgemein anerkannten Regeln der Technik«.

Michael Stuis, Dipl.-Ing (FH) und Technischer Berater bei Fischer, hat den »Bewehrungskoffer« für die fachgerechte Ausführung nachträglicher Bewehrungs-
anschlüsse vorgestellt.

Solidian: Neuer Lichtschacht mit Glasfaserbewehrung
Welche Möglichkeiten der Hersteller Solidian mit glasfaserbewehrtem Beton bietet, erläuterte Dr.-Ing. Christian Kulas. Sein Unternehmen und Hieber haben gemeinsam die Lichtschacht-Lösung »Optimus« entwickelt, die dank Glasfaserbewehrung mit nur 40 mm Materialstärke (statt der üblichen 80 mm) auskommt.
Bei den meisten mittelständischen Unternehmen entstehen die besten Ideen »unter rollendem Rad«, also aufgrund eines praktischen Problems, das bei einem Projekt auftritt. In diesem Falle war es genauso: Das Bauvorhaben von Geschäftsführer Christoph Hieber und sein Wunsch nach einem schlanken Lichtschacht an seinem Wohnhaus haben den Stein ins Rollen gebracht.
Ein erster Produktionsversuch mit einer alkaliresistenten Glasfaser, vergleichbar mit 8 mm-Rundstahl, führte noch nicht zum gewünschten Erfolg: Feine Risse hatten sich gebildet. So kam die Firma Solidian mit ins Boot: Ingenieur Kulas und sein Team haben die Statik berechnet, die Schächte wurden produziert und – in Ermanglung eines AbP – einen Lastennachweis mit Drucktests erstellt. Das Ergebnis: Ein Lichtschacht aus glasfaserbewehrtem Textil-­Beton.
Der Lichtschacht ist komplett korrosionsfrei und wird ressourcenschonend aus Weiß-Zement in einem speziellen Spritzbeton-Verfahren gefertigt. »Die Bewehrung ist zwar teurer als bei herkömmlichen Lichtschächten, spart aber durch das geringere Gewicht bei den Transportkosten enorm«, rechnet Christoph Hieber vor. Auch der Einbau profitiert vom geringen Gewicht.
Der Bauherrr schließlich könne sich auf Dauer über den erhöhten Lichteinfall freuen: Die dünne Materialstärke ermöglicht einen größeren Querschnitt, begünstigt durch das weiße Material.
Darüber hinaus stellte Kulas dem Fachpublikum Solidian-Lösungen aus Textilbeton für Brücken, Modulbauten, Landschaftsarchitekten und Fassaden vor. »Besonders an der Gebäudehülle bietet Textilbeton Vorteile: Es lässt sich eine dünnere Fassade realisieren, was weniger Gewicht und mehr Nutzfläche bedeutet«, erläuterte Kulas.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmern auch Gelegenheit, sich für sicheren Trittschallschutz durch den Einbau der »Schöck Tronsole« zertifizieren zu lassen. In einem separaten Raum wurden insgesamt vier Kurse angeboten.

Eine leergeräumte Werkshalle am Firmensitz in Wörleschwang beherbergte an beiden Veranstaltungstagen die insesamt knapp 300 Gäste, die sich in geseliger Atmosphäre über Neuigkeiten von Hieber und den anderern vertretenen Unternehmen informierten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Braas: Mehr Wohnraum durch Aufdachdämmung
Welche Vorteile die Aufdachdämmung »Clima Comfort« von Braas bietet, erläuterte Gebietsverkaufsleiter Tobias Schön. Mit dem System lasse sich ein Mehrwert in Neubau und Sanierung erzielen, vor allem durch den Zugewinn von wertvollem Wohnraum. Schön rechnete vor, dass sich die Mehrkosten für die Aufdachdämmung im Vergleich zur Zwischensparrendämmung schnell amortisierten, »zumal die seit 2016 geltenden strengeren Vorgaben der EnEV in Sachen Transmissionswärmeverlusten mit einer Zwischendämmung kaum noch erreicht werden können«, sagte er. Der
baustoffPARTNER hat das System »Clima Comfort« in seiner Ausgabe November 2017 mit einer Titelstory vorgestellt.

Systeme und Lösungen in Theorie und Praxis
Viel Beifall und Aufmerksamkeit erntete Jochen Faller. Als Verkaufsleiter Deutschland bei Beck+Heun ist er für Lüftungssysteme »ROKA CO2MPACT« und »Airfox« zuständig. Das Thema seines Vortrags, »Dezentrales Lüftungssystem integriert im Rollladenkasten«, konnte er zahlreichen Interessierten später an seinem dicht umringten Stand direkt am Objekt näherbringen. Das Motto, unter dem auch die hauseigene Lüftungsberatung stattfindet, hat Faller mit seiner Begeisterung spürbar gemacht: »Frischer Wind für Ihr Bauvorhaben!«
Wie sich nachträgliche Bewehrungsanschlüsse professionell ausführen lassen, war Thema von Michael Stuis, technischer Berater bei Fischerwerke. Er stellte Produkte vor wie den Fischer-Injektionsmörtel »FIS V« oder den eigens für solche Anwendungen angebotenen »Bewehrungskoffer«. »Wer diesen Koffer und seinen Inhalt anwendet, weiß, dass er DBT-zertifiziert arbeitet«, erläuterte er. Unterstützt werden die Profis von der Software »Fixperience«.
Feuer und Flamme im wahrsten Sinne des Wortes war Markus Ebert, Vertriebstechniker beim Kamin-Spezialisten Schiedel. Er stellte den im baustoffPARTNER bereits vorgestellten Designofen »Kingfire Grande S«
vor sowie weitere Produkte, mit denen Schiedel Ofen und Schornstein zu einem Designverbund zusammenfasst. »Der Kunde will in erster Linie keinen Schornstein, sondern ein offenes Feuer«, brachte er es auf den Punkt.
Weitere Vorträge befassten sich mit »Barrierefreien Übergängen und Austritten« gemäß der euen Flachdachrichtlinie (ACO Hochbau) sowie mit dem »Energieeffizienten Mauerwerksbau mit Ytong Porenbeton« (Xella Deutschland). 


 

Geschäftsführer Alexander Hieber blickt zuversichtlich in die Zukunft. Im Gespräch mit dem baustoffPARTNER berichtet er über die neue Fertigungshalle, die derzeit auf dem Betriebsgelände in Wörleschwang gebaut wird.

Neue Fertigungshalle
Die insgesamt knapp 300 Besucher konnten auf ihrem Weg zum und vom Veranstaltungsort das neueste Projekt der Firma Hieber bestaunen: Für eine neue Fertigungshalle wurde gerade das Fundament gesetzt.
»Die neue Produktionshalle mit Anbau für Technik-Büros wird 2 750 m2 Fläche haben und soll im März gestellt werden«, erläutert Geschäftsführer Alexander Hieber am Rande der Bau-Infotage im Gespräch mit dem baustoffPARTNER. »Ende April kommen die Maschinen rein, damit wir möglichst schnell mit der Fertigung beginnen können«, ergänzt er.
Produziert werden in dem neuen Gebäude überwiegend Aufzugs- und Lichtschächte, aber auch Balkone sowie ein neuartiges Wandsystem, das Hieber in Lizenz herstellen wird – der baustoffPARTNER berichtet darüber in einer späteren Ausgabe.
»Nachdem wir zuletzt Investitionen an unseren beiden anderen Standorten getätigt haben, ist jetzt auch mal wieder unser Stammsitz in Wörleschwang dran«, erläutert Hieber. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 2,5 Mio. Euro, etwa 15 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Außerdem ist eine neue Mischanlage geplant sowie eine neue CNC-Fräse mit Säge zur Fertigung von Betonschalungen. In den nächsten drei Jahren soll zudem die Lagerfläche nach Süden erweitert werden.
Damit trägt das Unternehmen der anhaltend guten Auftragslage Rechnung: Die Auftragsbücher sind voll, die Produkte finden einen guten Absatz. Gleichzeitig hat das Unternehmen den Blick in die Zukunft gerichtet und plant schon jetzt die Fertigung mit neuesten Verfahren wie dem Wachs-Formenbau in der Schalungstechnik. Auch hierüber mehr in einer späteren Ausgabe. (jr)