baustoffPARTNER - Baubranche aktuell

Im Blickpunkt

 

VELUX | 24. März 2018

Vom Dachfensterhersteller zum Raumklima-Pionier: Velux und die Vision von Licht, Luft und Lebensqualität

Mit einem lichtdurchfluteten 800 m2-Messestand machte Velux, wie hier auf der Dach+Holz, seine führende Rolle im Bereich Dachfenster deutlich. Dabei ging es dem Hersteller auch darum, Kunden und Handwerker für die Auswirkung von Tageslicht auf Wohlbefinden und Gesundheit zu sensibilisieren und natürlich – gemäß Slogan – um inspirierende Lösungen für mehr »Licht im Leben«. © Rieken

Vor mehr als 75 Jahren hat der Däne Villum Kann-Rasmussen das erste Velux-Dachfenster erfunden. Seine Idee: Licht, Luft und Lebensqualität unter das Schrägdach zu bringen. Mit der Wahl des Firmennamens hat er seine Vision verdeutlicht: Aus »Ventilation« (Belüftung) und »Lux« (Licht) machte er Velux. Das erste Modell des Ingenieurs, ein einfaches Klappfenster aus Holz, hatte freilich mit den High-Tech-Produkten des heute weltweit erfolgreichen Konzerns nicht viel zu tun. Umgekehrt sind im Unternehmen von heute die Ideen des Firmengründers greifbar, wie sich zum Beispiel auf der Dach+Holz gezeigt hat: Der weltweit führende Dachfenster-Hersteller hat am 800 m2 großen Messestand nicht nur neue Produkte und Lösungen präsentiert, sondern wollte Verarbeiter und Bauherren sensibilisieren für das Thema »Tageslicht« und dessen unterschätzte Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden.

Mit einem lichtdurchfluteten 800 m2-Messestand machte Velux, wie hier auf der Dach+Holz, seine führende Rolle im Bereich Dachfenster deutlich. Dabei ging es dem Hersteller auch darum, Kunden und Handwerker für die Auswirkung von Tageslicht auf Wohlbefinden und Gesundheit zu sensibilisieren und natürlich – gemäß Slogan – um inspirierende Lösungen für mehr »Licht im Leben«. © Rieken

Von Jan Rieken

»Wir wollen vor allem die Endverbraucher für das Thema ›Tageslicht‹ sensibilieren«, sagt Felix Egger, Geschäftsführer Velux Schweiz und kommissarischer Geschäftsführer von Velux Deutschland. »Heute verbringen die Menschen 90 % ihres Lebens in geschlossenen Räumen – und wir wollen dafür sorgen, dass die positiven Einflüsse von Tageslicht trotzdem erleb- und spürbar sind«, ergänzt er.

Tageslicht erhöht Leistung und reduziert Krankheiten

Wie wichtig Tageslicht für Menschen ist, wird bei Velux nicht nur in der Entwicklungsabteilung thematisiert, sondern auch beim Fachpresse-Event: Das Unternehmen lädt am Vorabend großer Messe-­Eröffnungen die Medienvertreter zu einem Informationsabend in geselligem Rahmen – so auch in Köln im Vorfeld zur Dach+Holz. Hauptredner des Abends: Der Schlafforscher Dr. Dieter Kunz, der die Anwesenden unterhaltsam und leidenschaftlich darüber informierte, welche Bedeutung Tageslicht auf unser Dasein hat – und welche Folgen auftreten, wenn man zu wenig davon bekommt.
Es sei nachweisbar, dass verbesserte Lichtleistung auch eine verbesserte Leistungsfähigkeit nach sich ziehe, sagte Kunz. Besonders in Schulen und Firmen werde diesem Umstand oft noch zu wenig Bedeutung beigemessen, kritisierte er, warnte aber gleichzeitig vor »Licht-Doping«. Häufiger als zu viel Licht sei allerdings das gegenteilige Phänomen anzutreffen. »500 Lux sind nun mal nur ein Promill davon, wofür wir gebaut sind«, sagte Kunz.
Gleichzeitig erläuterte der Schlafforscher, welche weitreichenden Wirkungen das Tageslicht auf unser Befinden hat: Neben der Synchronisation der »inneren Uhr« sowie der Steigerung von Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit werde das Risiko schwerer Krankheiten wie Alzheimer und Krebs reduziert. »Auch die Winter-Depression, eine Art Winterschlaf bei Menschen, wird durch ausreichend Tageslicht verhindert«, so der Schlafforscher.

Fensterfläche: Deutschland
im Europavergleich weit hinten
Mehr Tageslicht ist auch das Anliegen von Klaus Gollwitzer, seit einem halben Jahr Bereichsleiter Marketing bei Velux Deutschland. Am neuen Velux-Messestand setzt er auf die Erlebbarkeit der Produkte. Im Gespräch mit dem baustoffPARTNER weist er darauf hin, dass Deutschland bei den Bauverordnungen, die von den einzelnen Bundesländern erlassen werden, in Sachen Fensterfläche im europäischen Vergleich weit hinten liegt: »In Deutschland ist eine prozentuale Fensterfläche von 10 bis 12 % vorgeschrieben – zum Vergleich: In Frankreich sind es 20 %, und die höchste Quote in Europa hat Belgien!«
Seine Marketing-Strategie verfolgt deshalb unter anderem das Ziel, das Thema »Tageslicht« verstärkt ins Bewusstsein zu rücken: Endverbraucher sollen mit Werbespots im Rahmen einer TV-Kampagne sensibilisiert werden, für Planer und Verarbeiter gibt es eine telefonische »Tageslichtberatung«, die ergänzt wird durch digitale Angebote. So will Velux dafür sorgen, dass auch in Deutschland eine prozentuale Fensterfläche von 15 bis 20 % Normalität wird, »und das nicht nur bei Neubauten, sondern auch beim Sanieren im Bestand«, betont Gollwitzer.

Neue Köpfe für eine ehrgeizige Wachstums-Strategie

Die Ziele der Velux-­Gruppe und die Strategie, mit der diese erreicht werden sollen, werden alle vier Jahre bei der »Velux World Conference« bekannt gegeben – zuletzt im September 2017, als auch der neue Velux-CEO David ­Briggs vorgestellt wurde. Er führt die Velux-Gruppe mit Sitz in Hørsholm seit Jahresbeginn. Er folgt auf Jørgen Tang-Jensen, der in den Ruhestand gegangen ist.
Der 52-jährige Brite Briggs setzt auf eine Wachstumsstrategie, in der sich der bisherige Geschäftsführer von Velux Deutschland, Dr. Sebastian Dresse, nicht wiederfand. Er hat deshalb nach sechs­einhalb Jahren seinen Posten geräumt und das Unternehmen verlassen. Kommissarisch hat Felix Egger übernommen, die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Entdecken, ausprobieren und sich überzeugen lassen: Klaus Gollwitzer, Bereichsleiter Marketing bei Velux, setzt beim Messestand auf der Dach+Holz auf die Erlebbarkeit von Produkten, um unterschiedliche Lichtlösungen am Modell sichtbar zu machen. © Rieken

Digital, automatisch und effizient in die Zukunft
Velux hat sich in Deutschland, dem laut CEO Briggs »wichtigsten Markt«, nach eigenen Angaben hervorragend entwickelt. Damit das so bleibt, setzt der Hersteller auf die Digitalisierung: Bei der Produktinformation gleichermaßen wie bei der automatisierten Steuerung sowie der Prozess-Effizienz beim Bauen.
Laut Felix Egger geht es in einer ersten Stufe darum, den Endverbraucher für das Thema »Tageslicht« zu sensibilisieren und dann mögliche Lösungen zu zeigen. Dazu soll eine neue Internet-Seite mit Inspirationsbereichen ebenso beitragen wie die neu vorgestellte »MyDaylight«-App, die mittels Augmented Reality sichtbar machen kann, wie sich ein dunkles Dachgeschoss in lichtdurchfluteten Wohnraum verwandeln kann, erläutert Egger.
Es gehe auch darum, die Kunden und ihre Wünsche genau zu kennen, ergänzt Marketing-Mann Gollwitzer: »Wer für
ein 20 Jahre altes Dachfenster eine neue Verdunkelung sucht, sollte zumindest erfahren, was es in der Zwischenzeit an neuen Produkten und Lösungen gibt«, sagt er. Mit diesen Werkzeugen sowie mit Lead-Management und einem Online-Shop will der Hersteller seine Profi-­Partner unterstützen. Felix Egger betont, dass das nicht das Ende des 3-stufigen Vertriebs bedeute: »Wir generieren die Nachfrage, das Fachhandwerk übernimmt dann die Ausführung«, stellt er klar.

Kompetenzerweiterung von Licht auf gesamtes Raumklima

Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist die automatisierte Steuerung, wie sie das auf der Dach+
Holz neu vorgestellte »Active«-System bietet. Das System läuft zwar unter der Kategorie »Smart Home«, kann aber – das wird im Gespräch mit Egger schnell klar – bedeutend mehr. »Der Begriff ›Smart Home‹ beschreibt meist das klassische Steuern von Funktionen per Hand, zum Beispiel von einem Smartphone oder Tablet. Hier haben wir es erstmals mit einer Steuerung zu tun, die vom Nutzer – ebenfalls per Smartphone oder Tablet – vorgegebene Werte automatisch herstellt«,
erklärt Egger.
Das System ist kompatibel mit Android und iOS, kann über die Apple-Sprachsteuerung »Siri« ebenso bedient werden wie über das »Apple Homekit«. Es bietet »Steuerung statt Spielerei« (Egger) und greift auf Daten des Wetterdienstes »Netatmo« zurück, mit dem »Velux Active« gemeinsam entwickelt wurde. Raumklima-Faktoren wie Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt und Staubbelastung fließen ebenso ein wie externe Daten, also Windgeschwindigkeit, Außentemperatur, Sonneneinstrahlung oder Niederschlag.
Die Steuerung »Active« ist zudem lernfähig, was die Benutzer-Vorlieben angeht: hat ein Nutzer mehrfach per Hand das System »überstimmt«, wird die entsprechende Vorliebe mittels künstlicher Intelligenz abgespeichert. »Mit dieser Vielzahl an professionellen Steuerungs-Möglichkeiten holt Velux das Thema ›Smart Home‹ endgültig aus der Bastelecke heraus«, zeigt sich Egger im Gespräch mit dem baustoff-PARTNER begeistert.
Mit dem »Active«-System lassen sich alle Velux-Fenster ab Baujahr 2006 nachrüsten – »und zwar für überschaubare Kosten«, wie Egger betont.

 Mit ›Velux Active‹ und der damit verbundenen intelligenten Steuerung erweitern wir unsere Kompetenz von Lösungen für Licht und Luft zum Spezialisten für das gesamte Raumklima.«
Felix Egger,
kommissarischer Geschäftsführer Velux Deutschland


Beste Aussichten für die Zukunft

Damit trotz Fachkräftemangel in der Baubranche künftig gleich viele oder noch mehr Projekte realisiert werden können, setzt Velux neben der Förderung des Handwerker-Nachwuchses auf eine größere Prozess-Effizienz am Bau, beispielsweise durch Building Information Modeling (BIM). »Da ist in Deutschland noch Luft nach oben«, sagt Egger.
Es wäre seiner Einschätzung nach viel mehr möglich, denn der Bedarf an Lösungen von Velux steigt stetig: Einerseits sorgt die Wohnraumverdichtung in Ballungsgebieten für eine gleichbleibend hohe Nachfrage, gleichzeitig beginnt die derzeitige Generation »50 plus« mit Sanierungen im Bestand. »Die gute Auftragslage im Bereich Neubau und der Fokus darauf sorgen allerdings für einen gewissen Sanierungsstau«, bedauert Egger.
Gleichzeitig finde bei den Planungen für Neubauten ein Umdenken statt, weil »von vonherein mehr große Lichtlösungen« eingeplant werden, ergänzt Britta Warmbier, Leiterin PR und Öffentlichkeitsarbeit bei Velux.
Die Dach+Holz, so das einstimmig positive Fazit von allen Verantwortlichen, habe dazu beigetragen, auch die Handwerker von der Bedeutung des Themas »Tageslicht« zu überzeugen und ihnen wichtige Verkaufsargumente an die Hand zu geben. Das wichtigste bringt Geschäftsführer Felix Egger auf den Punkt: »Es hat sich noch nie ein Kunde über zu viel Licht beschwert«, sagt er mit leichtem Augenzwinkern. Unternehmens-Gründer und Dachfenster-Pionier Kann-Rasmussen würde ihm da sicher zustimmen.

Ähnliche Themen

VELUX | 9. September 2018

Herbst und Winter nutzen

VELUX | 15. Juni 2018

Treppchen-Platz für Smart-Home-System von Velux

Creaton | 12. Juni 2018

Creaton ordnet Unternehmensleitung neu