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AGROB BUCHTAL | 23. Juni 2018

Neue Methode zur »trockenen« Verlegung von Keramikfliesen vereint Ästhetik, Zeitersparnis und Funktionalität

Andreas Kramer (links), Leiter Architektenservice und Anwendungstechnik, und PR-Chef Werner Ziegelmeier präsentieren im Showroom von Agrob Buchtal das »DryTile«-Verlegeset, das Fachhandwerker im Rahmen der Zertifizierungsschulung kostenlos als Erstausstattung bekommen. © Jan Rieken / baustoffPARTNER

Wer den Baukeramik-Spezialisten Agrob Buchtal kennt, weiß: Diese Marke der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG deckt das gesamte Anwendungsspektrum von keramischen Fliesen ab. Doch neben stylischen Lösungen für die Fassaden- und Raumgestaltung bietet der Hersteller aus Schwarzenfeld (ca. 50 km nördlich von Regensburg) jetzt eine Neuheit, die der ausgewählten Fachpresse direkt im Werk vorgestellt wurde: Die trocken, also ohne Fliesenkleber verlegbare Keramikfliese »DryTile«. Sie soll die zahlreichen positiven Eigenschaften von Keramik um weitere Vorzüge ergänzen, zum Beispiel schnelle Verlegung und einfachen rückstandsfreien Rückbau. Der baustoffPARTNER war vor Ort und hat sich die neue Methode angesehen, die sich für den Einsatz auf Einkaufs- und Gewerbeflächen ebenso eignet wie für Gastronomie, Bürogebäude oder den privaten Wohnbereich.

Von Jan Rieken

Andreas Kramer (links), Leiter Architektenservice und Anwendungstechnik, und PR-Chef Werner
Ziegelmeier präsentieren im Showroom von Agrob Buchtal das »DryTile«-Verlegeset, das Fachhandwerker im Rahmen der Zertifizierungsschulung kostenlos als Erstausstattung bekommen. © Jan Rieken / baustoffPARTNER

Das System soll sowohl Boden- als auch Fliesenleger ansprechen und beiden Gewerken ermöglichen, In Rekordzeit große Flächen mit Keramikfliesen zu belegen. Möglich macht dies eine rückseitig applizierte 2,5 mm starke Korkschicht. Diese steht an allen Seiten leicht über, sodass sich beim Aneinanderlegen der Fliesen eine exakte Schmalfuge ergibt. Die Verlegung erfolgt bis zu acht Mal schneller als beim herkömmlichen Fliesenboden. Trotzdem will der Hersteller mit »DryTile« die herkömmliche Verlegung von Keramikfliesen nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Neu entwickelte Spezialfuge
Die Fugenmasse ist elementarer Bestandteil des neuen Systems:Sie sorgt für überragende Flankenhaftung und Elastizität zugleich und wird eingebracht, nachdem die Platten lose verlegt wurden. Die eingangs beschriebene Korkschicht fungiert quasi als Fixierhilfe, indem sie sich am Untergrund leicht »festsaugt«, sodass die Fläche unverfugt sofort begehbar ist. Folge-Arbeiten, z. B. durch Maler oder Elektriker, können daher in dieser Phase sofort erfolgen. Nach dem Verfugen ist die Fläche nach 12 Stunden begehbar und nach 24 Stunden belastbar. »DryTile« ist durch die trockene Verlegung ohne Fliesenkleber unkompliziert revisionierbar und auch einzelne Keramikfliesen lassen sich ohne Probleme austauschen: Hierfür einfach die Fuge »aufflexen«, mit dem Saug-Heber die einzelne Fliese entfernen und eine neue einsetzen. Nach der erneuten Verfugung sieht alles aus wie vorher und ist nach wiederum 12 Stunden begeh- und nach 24 Stunden belastbar.

»DryTile« kann in jedem üblichen Fugenraster verlegt werden: Kreuzfuge, Drittelverband, Viertelverband, wilder Verband, Schachbrett etc. Die Fugenmasse mit sauberem Wasser im Verhältnis 150 ml auf 1 kg Fugenmasse anrühren, dann Fläche anfeuchten und mit Hartgummi-Fugbrett einbringen und abziehen. Danach sofort mit Schwammbrett und Wasser nachwaschen. Dies gilt auch für Fugenrückstände auf der Fliese (Zwei-Eimer-Methode praktizieren) und benutztes Werkzeug. © Jan Rieken / baustoffPARTNER

Die Mischung macht‘s
Für ein korrektes Endergebnis ist die sorgfältige Einhaltung der Vorgaben zum Anmischen und Verarbeiten der Systemfugmasse entscheidend. Beim Vor-Ort-Termin für die Fachpresse hat dies Markus Läber, gelernter Fliesenleger und Anwendungstechniker bei Agrob Buchtal, demonstriert und mehrfach betont. »Diese Hochleistungs-Fuge vereint Flexibilität und hohe Flankenhaftung, aber die Mischung muss stimmen«, sagt auch Andreas Kramer, der als Leiter der hauseigenen Abteilung Architektenservice und der Anwendungstechnik auch für Schulungen zuständig ist.

Wer an der Zertifizierungsschulung teilnimmt erhält dieses Set mit allem, was der Fachhandwerker für die Verlegung von »DryTile« braucht. © Jan Rieken / baustoffPARTNER

Zertifizierung für Fachhandwerker
Bei »DryTile« setzt Agrob Buchtal zur Qualitätssicherung auf ein Zertifizierungs-Konzept: Bevor Fachhandwerker mit dem neuen System im wahrsten Sinn des Wortes loslegen dürfen, steht eine qualifizierte Schulung im Werk Schwarzenfeld oder Witterschlick (bei Bonn) auf dem Programm. Daran haben seit Beginn der Schulungen im 1. Quartal 2018 bis dato (Ende Mai 2018) rund 300 Fachhandwerker teilgenommen – Tendenz steigend: Bis Mitte Juli ist schon jetzt kein freier Platz mehr verfügbar. Die zertifizierten Betriebe werden öffentlich sichtbar auf der »Dry-Tile«-Webseite www.trison-drytile.de ausgewiesen. Mit diesen Zertifizierungsschulungen soll ein hohes Qualitätsniveau sichergestellt werden. Angesprochen sind einerseits innovative Bodenleger, für die die Herstellung entsprechender Untergründe ja tägliches Brot ist, die aber keine Berührungsängste haben, sich darüber hinaus nun auch Kenntnisse zur Fliesenbearbeitung und Verfugung anzueignen. Andererseits kommen natürlich auch aufgeschlossene Fliesenleger in Frage, wobei hier die Konstellation genau umgekehrt ist: Die Bearbeitung von Keramik ist bekannt, die Herstellung von Untergründen mit der erforderlichen Genauigkeit kommt neu hinzu.

Voraussetzung: Ebener Untergrund
Wie bereits angedeutet kommt der Ebenheit des Untergrunds große Bedeutung zu. Die Vorgaben sind strenger als die recht großzügigen Toleranzen der DIN 18202 und stellen erhöhte Anforderungen an die Ebenflächigkeit: Einzuhalten ist ein Stichmaß von 2 Millimetern auf 2 Meter, wobei dies vor Verlegung mit einer Richtlatte oder einem (Laser-)Messgerät zu überprüfen ist. Ist der Untergrund zu uneben, muss mittels Ausgleichsmasse nachgebessert werden.

3 Komponenten in 3 Stunden
Bei der ca. dreistündigen Zertifizierungsschulung zum »DryTile«-Verlege-Partner werden die drei Komponenten des Systems (Keramikfliese, Korkschicht und Spezialfuge) in Theorie und Praxis vorgestellt. »Dadurch sichern wir die Qualität der Verlegung und die Funktionsfähigkeit des Systems, und der Fachhandwerker kann sich positiv vom Wettbewerb abgrenzen: Nach der Teilnahme erhält er ein Zertifikat, das ihn als qualifizierten ›Dry-Tile‹-Verlege-Partner ausweist«, erläutert Andreas Kramer. Konkrete Schulungsinhalte sind u.a. Aufbau des Systems, Sortiment, Untergrundvorbereitung und-beschaffenheit, Verlegung und Verfugung, Grundreinigung, und Belastbarkeit des Belags. Auch der rückstandslose Rückbau wird demonstriert.

Überzeugende Materialeigenschaften
Zu den bekannten Eigenschaften von Keramikfliesen wie hohe Bruchlast, Dimensionsstabilität und Oberflächenhärte kommen weitere, die für öffentliche Bereiche von großer Bedeutung sind wie z.B. Rutschsicherheit, Abriebfestigkeit und Farbechtheit. Außerdem ist Keramik pflegeleicht, nicht brennbar, gesundheitlich unbedenklich sowie frei von jeglichen Ausdünstungen. Die rückseitige Schicht aus portugiesischer Korkeiche als natürliches Material ist ebenfalls gesundheitlich Unbedenklich, verfügt über gute Hygiene-Eigenschaften und ist schwer entflammbar. Die Schicht sorgt für eine Trittschalldämmung von bis zu 13 dB und verspricht angenehmen Gehkomfort. Das System ist auch für Fußbodenheizung geeignet, weil der Wärmedurchgang nur um wenige Minuten und somit vernachlässigbar gering verzögert wird.

Das Werk Schwarzenfeld hat eine Produktionskapazität von über 4 Mio. m² jährlich. Gefertigt werden mehrere tausend verschiedene »Artikel«, vom Riemchen über Spezialkeramik für den Schwimmbadbau bis hin zur 1,5m² großen »KerAion«-Platte für Fassaden-Systeme. Der Standort verfügt über Tunnel-, Rollen- und Herdwagenöfen, so dass für den einzelnen Anwendungsfall die jeweils optimale Lösung offeriert werden kann. © Jan Rieken / baustoffPARTNER

Vielfältige Einsatzgebiete
Die Verlegung von »DryTile« erfolgt bis zu acht Mal schneller als bei der herkömmlichen Methode und ist nahezu staubfrei. Das System ist über Dehnungsfugen hinweg verlegbar, lässt sich ohne viel Aufwand rückbauen und recyceln. Die Aufbauhöhe inklusive Korkschicht liegt bei 13 mm, für besonders gewichtsbelastete Bereiche sind auch „überstarke“ Fliesen lieferbar, wodurch sich die Belagsdicke dann auf 17,5 mm erhöht. Seine Vorteile ausspielen, das wurde am Fachpresse-Infotag deutlich, kann das System in allen Bereichen, die einen kurzen Renovierungszyklus haben und wo ohne lange Ausfallzeiten renoviert werden muss. Autohäuser, Supermärkte oder Hotels bzw. Gastronomie beispielsweise haben immer wieder Bereiche, die regelmäßig Anpassung, Neubelegung oder modifizierte Zonierungen erfordern, wo es aber schnell gehen muss, wenn die Boden-Profis anrücken: Lange Ausfallzeiten kann und will sich keine dieser Branchen leisten. Vorteile hat „Drytile“ auch dann, wenn es um Bereiche mit einer höheren Trittsicherheit geht oder Böden, die Lasten aushalten müssen. Im Lebensmittel- oder Kühllogistikbereich lassen sich so tadellose Hygiene und Befahrbarkeit mit rollenden Lasten (Hubwagen, Gabelstapler etc.) miteinander in Einklang bringen. Marktanalysen verdeutlichen das enorme Potenzial: So liegt der durchschnittliche Renovierungszyklus im Bereich Food bei 9 Jahren, im Bereich Nonfood bei 8 Jahren. Gründe für Austausch bzw. Erneuerung der Einrichtung sind allgemein veraltetes Aussehen (88 %), Abnutzungserscheinungen (76 %), Integration neuer Produkte und Services (68 %) sowie Wettbewerbsdruck (60 %). Es folgen mit gewissem Abstand die Optimierung des Marktauftritts (46 %) und der Wechsel von Ladenbildern. Immerhin 42 % renovieren wegen der Umstellung auf ein neues Konzept oder eines Wechsels im Corporate Design.

Auch die Ästhetik stimmt
Erhältlich sind »DryTile«-Fliesen in verschiedenen attraktiven Designs und in den Formaten 30 x 60, 60 x 60 und 60 x 120 cm. Das Standard-Sortiment umfasst fünf Serien in Normalstärke (Gesamtaufbauhöhe 13mm) und drei Serien in „Überstärke“ (Gesamtaufbauhöhe 17,5 mm). Darüber hinaus sind auf Anfrage bei einer Mindestabnahmemenge von 300 m2 weitere Varianten aus dem breiten Sortiment von Agrob Buchtal als DryTile-Version erhältlich. Für die Verfugung stehen ebenfalls mehrere Farben zur Auswahl, wobei auch hier der Hersteller auf Anfrage weitere Wünsche realisiert. Demnach stimmen nicht nur die funktionalen, sondern auch die ästhetischen Aspekte.

Weiterführende Informationen
Das System wurde in der Vergangenheit umfassend in der Praxis getestet und kontinuierlich verfeinert bzw. „kultiviert“. Weiterführende Informationen und Details enthält die Internetseite www.trison-drytile.com. Dort finden sich auch Termine und Einzelheiten zu den erwähnten Zertifizierungsschulungen inklusive komfortabler Anmeldemöglichkeit.


Die heutige Marke Agrob Buchtal resultiert aus dem Zusammenschluss der Traditionsunternehmen Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG und Agrob Wessel Servais AG. Die Marke ist Teil der heutigen Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG, zu der auch noch die Marke Jasba gehört. Der Konzern ist führender Anbieter von keramischen Belagsmaterialien für Wand und Boden. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Deutschland in den vier Werken Buchtal (Schwarzenfeld), Ötzingen, Sinzig und Witterschlick. Das WerkBuchtal mit Sitz in Schwarzenfeld wurde 1937 von Dr. Gottfried Cremer gegründet. Aus den hochwertigen Rohstoffen der lokalen Tongruben wurden zunächst Dachziegel hochfeuerfeste Steine und Kanalisationsrohre aus Steinzeug gefertigt. In den 1960er Jahren erfolgte die Fokussierung auf keramische Wand- und Bodenfliesen. Im Bereich Architektur-Keramik (Fassaden, Schwimmbäder aller Art, keramische Farbsysteme, Fliesen mit trittsicheren Oberflächen etc.) ist man einer der wenigen Anbieter weltweit und international renommiert. Darüber hinaus wird auch dekorative Wohnkeramik hergestellt. Vertrieben werden die Produkte unter der Marke Agrob Buchtal in rund 80 Länder und in alle Kontinente. Das Werk hat eine Fläche von 74 ha und beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter.

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