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Im Blickpunkt

 

HASIT | 19. Mai 2018

Mit Denkvorsprung auf dem Weg in die digitale Welt

Eine kleine Tür führt in die Welt von fünf Unternehmen: Die Firmenzentrale der FIXIT-Gruppe in Freising erstreckt sich vom ehemaligen Elternhaus des HASIT-Firmengründers Franz Haslberger (gelbe Fassade) inzwischen über mehrere Gebäude. © Hasit

Als Franz Haslberger sen. aus Freising vor 50 Jahren im nahen Eichenkofen sein erstes Produktionswerk für Schweißmörtel in Betrieb nahm, hatte er sicher eine klare Vorstellung davon, was Kalk als Basis für natürliche Baustoffe leisten kann. Dass er mit der Gründung von HASIT den Grundstein gelegt hat für die mit etwa 2 500 Mitarbeitern heute in 19 Ländern Europas tätige FIXIT-Gruppe, zu der die HASIT Trockenmörtel GmbH gehört, hat er sich wohl nicht träumen lassen. Neben dem Kalk-Spezialisten spielen inzwischen vier weitere Marken in einem Team, das auf gemeinsame Werte baut und dabei dezentral organisiert ist. Wenn es aber um das Thema »Digitalisierung« geht, hat Hanswilli Jenke, CEO der FIXIT-Gruppe, die Zügel fest in der Hand: Alle digitalen Bausteine rund um Apps, Firmen-Webseite und Online-Services hat er vor zwei Jahren zur Chefsache gemacht. Im Gespräch mit dem baustoffPARTNER berichtet er, was bereits erreicht ist und wo die Reise hingeht.

Von Jan Rieken

Uwe Richter leitet die Produktion und Technik in allen sechs HASIT-Werken in Deutschland. Er ist auch zuständig für das Labor, in dem die eingehende Ware geprüft und auf Qualität und Beschaffenheit kontrolliert wird. © baustoffPARTNER/Jan Rieken

Das Gebäude, in dem neben HASIT auch die Firmenzentrale der FIXIT-Gruppe untergebracht ist, hat mit dem Unternehmen viel gemeinsam: Ein vergleichsweise schmaler Eingang an einer schlanken Hausfassade führt zunächst in ein Haus, in dem von der augenscheinlichen Größe her auch ein Versicherungsbüro oder ähnliches untergebracht sein könnte. Erst im Inneren offenbart sich dann: Die langen, verwinkelten Flure im ursprünglichen Elternhaus von Firmengründer Haselberger führen bis in die benachbarten Gebäude, und das gleich über mehrere Etagen. Und so ist es auch mit der FIXIT-Gruppe und den fünf Schwestermarken HASIT, FIXIT, GREUTOL, KREISEL und RÖFIX: Hinter einer einzigen Marke offenbart sich ein ganzer Kosmos an Baustoffen, der in einer auf den ersten Blick nicht unmittelbar erkennbaren Sortiments- und Marken-Vielfalt für nahezu jedes Gewerk das passende Systemprodukt bietet.

Zahlreiche Zukäufe haben aus dem regionalen Kalkproduzenten HASIT einen der führenden europaweit agierenden Baustoffexperten gemacht.

Seit 25 Jahren ist das HASIT-Werk Kissing in Betrieb. Hier werden sämtliche Trockenprodukte hergestellt und in alle Gebinde angefüllt. © baustoffPARTNER/Jan Rieken

Länder und Marken gestalten den Digitalisierungs-Prozess
Um den Kunden die Orientierung in diesem Kosmos zu erleichtern, setzt die Gruppe voll auf die Digitalisierung: Der CEO der FIXIT-Gruppe, Hanswilli Jen­ke, hat dafür vor zwei Jahren eine Strategie auf den Weg gebracht, die zunächst im Online-Bereich für die Marke HASIT umgesetzt und dann auf die anderen Marken übertragen werden soll. Eine Mammut-Aufgabe, wie Jenke im Gespräch mit dem baustoffPARTNER berichtet: »Der Begriff Digitalisierung ist und bleibt ein schönes Schlagwort – es handelt sich aber um ein sehr breites Thema, das eine ganzheitliche Betrachtung verlangt«, erläutert er. »Und es verlangt nach Entscheidungen, die über Marken, Länder und Abteilungen hinweg gelten«, ergänzt er im Hinblick auf die Struktur der Firmengruppe: Es gilt, zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen, Zielgruppen und Anforderungen zu moderieren, die Fäden in einer Hand zu haben und in jedem Bereich Entscheidungen zu treffen, die von allen Beteiligten mitgetragen werden. »Ganz klar ein Führungsthema!«
Das heißt nicht, dass Themen wie eine neue App oder die Architektur der künftigen Konzern-Webseite von oben nach unten durchdekliniert würden, erläutert Jenke. Im Gegenteil: »Unsere Firmenphilosophie beschreibt Werte, die neben zufriedenen Kunden und höchster Produktqualität auch motivierte Mitarbeiter zum Ziel haben«, sagt er. Deshalb sind die einzelnen Marken und Länder in die wesentlichen Prozesse mit eingebunden.
Jenke ist seit zehn Jahren CEO der Unternehmensgruppe und hat bereits vor sechs Jahren die erste gemeinsame Konzern-Webseite eingeführt. »Aus diesem Projekt habe ich viel gelernt«, sagt Jenke, der zuvor einer der Chefs des Süddeutschen Verlags war und damit umfangreiche Erfahrungen aus dem Bereich Kommunikation hat. »Die Digitalisierung ist ein so neues Feld, da muss jeder erst mal seinen eigenen Weg finden.«

Die Philosophie der Unternehmensgruppe baut auf Werte wie zufriedene Kunden, hohe Produktqualität und motivierte Mitarbeiter, dem wichtigsten Element für wirtschaftlichen Erfolg.

Kundenperspektive steht im Vordergrund
Und den Weg, auf dem die FIXIT-­Gruppe ins digitale Zeitalter gehen soll, hat Jenke mit Unterstützung von einer Agentur gefunden, die auf digitales Marketing spezialisiert ist. Das Ergebnis fasst er so zusammen: »Wir verpassen nicht etwa einer vorhandenen Webseite nur einen neuen Anstrich, sondern verfolgen komplett neue Ansätze.« Zum Beispiel in der Denk-Systematik: »Wir denken in Tonnen, der Kunde in Quadratmetern«, erläutert Jenke einen wichtigen Aspekt.
Hier soll auf der neuen Internetseite ein Online-Verbrauchsrechner abhelfen, bei dem der Verarbeiter Details zu seinem Auftrag oder Projekt hinterlegen kann. Ein weiteres Feature soll dann ein »Lösungsfinder« sein, der den Verarbeiter je nach Auftrag und Projekt zum passenden Produkt führt. Auch eine Datenbank für Baustoffhändler soll Produktinformationen wie Datenblätter, Fachinformationen und Bildmaterial jederzeit abrufbar machen.
»Wir haben einfach die Kundenbrille aufgesetzt und wollen damit ein zentrales Ziel erreichen: Den Kunden in die Lage zu versetzen, seinen Job gut zu machen.« Und als Teil davon sieht Jenke einen optimierten Bestellvorgang, der sich via Smartphone direkt von der Baustelle oder dem heimischen Sofa aus in weniger als einer Minute erledigen lässt.

Auch interne Prozesse werden effizienter
»Abgesehen davon, dass der Kunde auch nachts oder an Sonn- und Feiertagen seine Bestellung abgeben kann, steigert das auch intern die Effizienz: Die gesamte Datenerfassung entfällt, der Auftrag landet direkt in der Produktion«, schildert Jenke. Die Bestellbestätigung geht dann künftig automatisch per Mail direkt an den Auftraggeber und in Kopie an den zuständigen Außendienstler. »Bei der Bestellung lassen sich außerdem auch Parameter wie schmale Anlieferwege und dergleichen hinterlegen, sodass der Disponent gleich das geeignete Fahrzeug auf den Weg bringen kann«, ergänzt er. So lassen sich in Zukunft die bei den Standardprodukten ohnehin schon sportlichen Lieferzeiten weiter verkürzen, bei den Spezialprodukten fällt die Verkürzung noch deutlicher aus.
In der Produktion ist ohnehin die Digitalisierung längst schon beim Standard »Industrie 4.0« angekommen, berichtet Uwe Richter: Der Produktions-Gesamtverantwortliche ist für die sechs deutschen Werke zuständig und empfängt den baustoffPARTNER am Standort Kissing, einem der größten Werke innerhalb der Gruppe.
Vom hochmodernen Leit­stand aus lassen sich nicht nur Fertigungs-Qualität und Produktionsschritte effizient überwachen, sondern auch Materialfluss und Energieverbrauch.

»Wir haben mit der Digitalisierungs-Strategie die Kundenbrille aufgesetzt und wollen damit ein zentrales Ziel erreichen: Den Kunden in die Lage zu versetzen, seinen Job gut zu machen.«
Hanswili Jenke,
CEO der FIXIT-Gruppe

Systeme in der Erntwicklungs- und Erprobungsphase
Diese Systeme sind derzeit bei HASIT in der Entwicklung oder Erprobung. »Wenn das digitale Bestellwesen erfolgreich eingeführt ist, soll es auch bei den anderen Unternehmen in der Gruppe implementiert werden«, sagt Jenke. Fertiggestellt hingegen ist die App »Color Design«, mit der HASIT die Wahl der richtigen Wandfarbe im Innen- und Außenbereich erleichtern will (s. Produktinfo-Kasten).
Als ersten großen Meilenstein bezeichnet Jenke die neue, konzernweit einheitliche Webseite, die im vierten Quartal dieses Jahres online gehen und diese sowie weitere digitale Bausteine zusammenführen soll. Dann gibt es – vergleichbar mit dem Eingang an der Zentrale in Freising – ein Tor, hinter dem sich dann die gesamte Produktwelt von HASIT sowie den Schwestermarken der FIXIT-­Gruppe und alle angebotenen Lösungen finden. Das große Ziel dabei: Dem Verarbeiter den Arbeitsalltag zu erleichtern.


APP ERSETZT FARBTONFÄCHER

Passt die Wandfarbe zur Einrichtung? Mit der »Color Design«-App lassen sich Gestaltungsvarianten spielerisch ausprobieren. © Hasit

Als einen der ersten Bausteine der Digitalisierungsstrategie baut HASIT mit der App »Color Design« sein digitales Serviceangebot weiter aus: Ob für innen oder außen, die Wahl der richtigen Wandfarbe ist oft ein Abwägen in feinsten Nuancen. Farbtonfächer sind sehr abstrakt und zeigen nicht, wie eine Farbe an der Wand tatsächlich wirkt. Den aufwendigen Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen können sich Bauherren, Verarbeiter und Architekten künftig sparen, denn jetzt gelingt die Farbauswahl schnell und einfach mit der App »Color Design«. Einfach ein Foto von der betreffenden Innen- oder Außenwand machen und direkt am Touchscreen per Fingerstrich gestalten – ganz ohne Vorwissen und Einarbeitungszeit. Der User sieht sofort, ob seine Wunschfarbe zu Böden, Fenstern oder Einrichtung passt. Alternativ stehen auch Galeriefotos zur Verfügung. Der Tageszeitensimulator zeigt, wie die Farbe morgens, mittags und abends wirkt und hilft so bei der Entscheidung. Eine Funktion zum Speichern und Teilen der Entwürfe vereinfacht die Kommunikation, etwa zwischen Bauherrn und Verarbeiter.
Dem Anwender steht die gesamte Farbpalette von HASIT zur Verfügung. Für den virtuellen Farbauftrag lassen sich verschieden feine Werkzeuge auswählen. Die Suche nach der eigenen Lieblingsfarbe im HASIT Farbenkatalog erleichtert das »Color Match«-Tool: Der User lädt ein Foto, das die entsprechende Farbe zeigt, in die App und das Tool sucht das Pendant dazu.
Mit der »Color Design«-App möchte HASIT seinen Kunden Entscheidungs- und Arbeitsprozesse erleichtern. Sie ist ein weiterer Baustein der digitalen Servicephilosophie des Unternehmens, welche die Bedürfnisse der Kunden klar ins Zentrum des Denkens und Handelns rückt.

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