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IVPU | 19. März 2016

So funktioniert eine zeitgemäße Steildachsanierung

Einfache, belüftete Steildachkonstruktionen mit Zwischensparrendämmung, wie sie früher üblich waren, werden den aktuellen Anforderungen nach Energieeinsparverordnung (EnEV) und DIN 4108-3 kaum mehr gerecht. Komplexe, mehrschichtige Aufbauten sind in der Sanierung inzwischen gefragt und werden in den unterschiedlichsten Varianten ausgeführt. Dachkonstruktionen mit Kombinationen aus PU-Aufsparrendämmung und einer neuen bzw. vorhandenen Zwischensparrendämmungen können alle Anforderungen an den Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz erfüllen.

 Dachkonstruktionen mit Kombinationen aus PU-Aufsparrendämmung und einer neuen bzw. vorhandenen Zwischensparrendämmung können alle Anforderungen an den Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz erfüllen. © IVPU

Dachkonstruktionen mit Kombinationen aus PU-Aufsparrendämmung und einer neuen bzw. vorhandenen Zwischensparrendämmung können alle Anforderungen an den Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz erfüllen. © IVPU

Feuchteschutz als bau­aufsichtliche Anforderung
Dachkonstruktionen müssen mit extremen Wettersituationen zurechtkommen. Der Feuchteaustausch innerhalb von Bauteilen wird durch ein ständiges Temperatur- und Dampfdruckgefälle zwischen innen und außen angetrieben. Im Winter ist es außen kalt und trocken, im Gebäudeinneren warm und feucht. Die Folge ist ein Dampfdruckgefälle von innen nach außen. Von innen kann warme, feuchte Raumluft in den Dachaufbau eindringen und dort zu Tauwasser und Feuchteschäden führen.
Der klimabedingte Feuchteschutz hat die Aufgabe, das Auftreten von Tauwasser innerhalb von Bauteilen und Bauteilschichten zu verhindern. Mit Berechnung der Wasserdampfdiffusion kann der Tauwasserausfall für betroffene Bauteile und Bauteilschichten ermittelt werden. Die Anforderungen an den Tauwasserschutz sind in der DIN 4108-3 Klimabedingter Feuchteschutz, Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung aufgeführt. Die Norm ist in der Musterliste der technischen Baubestimmungen enthalten und gilt damit als bauaufsichtlich eingeführt.

Die fünf wichtigsten Kriterien für PU-Steildachlösungen in der Sanierung
1. Die Konstruktionen erfüllen die Anforderungen an den klimabedingten Feuchteschutz und sind bauphysikalisch sicher.
2. Für die Zwischensparrendämmung ist nur die statisch notwendige Sparrenhöhe erforderlich. Bei der Sanierung kann auf eine Aufdopplung der Sparren verzichtet werden.
3. Die schlanke PU-Aufsparrendämmung wird wärmebrückenfrei über Sparren und Wände verlegt. Sie ist extrem leistungsfähig und erfüllt damit die hohen Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz. In der Sanierung können die Vorgaben für eine KfW-Einzelmaßnahmenförderung erfüllt werden.
4. Während der Sanierung können die darunter liegenden, ausgebauten Dachräume ohne Beeinträchtigung weiter genutzt werden. Die Verlegung der PU-Aufsparrendämmung erfolgt ausschließlich von außen.
5. Die notwendige Luftdichtheit wird mit einer vollflächig über die Sparrenlage verlegten Dampfbremse einfach und sicher ausgeführt. Die aufwendige und zeitintensive schlaufenförmige Verlegung entfällt.

© IVPU

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Zeitgemäßer Wärmeschutz nach EnEV und KfW
Die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt vor, dass in einem Bestandsgebäude die oberste Geschossdecke den Mindestwärmeschutz erfüllen muss. Unter Mindestwärmeschutz versteht man Maßnahmen, die Bauschäden verhindern und z. B. Tauwasser- und Schimmelpilzfreiheit gewähren. Ist das darüber liegende Dach nicht gedämmt, muss die oberste Geschossdecke einen U-Wert von 0,24 W/(m²·K) oder besser aufweisen. Wird dieser U-Wert nicht erreicht, müssen Maßnahmen zur Dämmung des Dachbodens oder des Daches ergriffen werden. Für den Gebäudebestand sieht die EnEV 2014 darüber hinaus keine höheren Anforderungen an den Wärmeschutz von Bauteilen vor. Wer die KfW-Förderung einer Dachsanierung als Einzelmaßnahme (Investitionszuschuss) in Anspruch nehmen möchte, muss nach den technischen Mindestanforderungen der KfW ebenfalls einen U-Wert von 0,14 W/(m²·K) einhalten.

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Wärme dämmen oder Wärme speichern?
Wer die Wirkungsweise der Speichermassen in einem Dach verstehen möchte, muss sich klar machen, dass Luft und Bauteiltemperaturen über den Tagesverlauf erheblich schwanken. Dadurch ändern sich kontinuierlich Intensität und Richtung des Wärmeflusses. Das Bauteil Dach nimmt mittags Wärme auf und gibt sie nachts wieder ab.
Das Speichern und Abgeben der Wärme aus Bauteilen »puffert« die Temperaturspitzen im Innenraum. Für diesen Vorgang ist nicht allein die Wärmekapazität des Bauteils Dach von Bedeutung, sondern auch die Lage und Wirksamkeit der Speichermassen.
Beim Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes wird dies berücksichtigt. Zu beachten ist, dass in einer wärmegedämmten Holzdachkonstruktion nur die raumseitigen Schichten bis zur Wärmedämmung, die in direktem Kontakt mit der Innenraumluft stehen, als Wärme­puffer wirken!
Es können also nur die Deckenbekleidungen, z. B. aus Gipskarton, Gipsfaser oder einer OSB-Werkstoffplatte als Speichermassen berücksichtigt werden. Besonders effektiv sind zur Raumseite freiliegende, massive Innenwände sowie Decken und Fußböden mit Steinplatten- oder Fliesenbelag. Wärmedämmstoffe sind aufgrund ihrer niedrigen Wärmeleitfähigkeit und geringen Masse keine guten Wärmespeicher. Dämmstoffe sollen den Wärmefluss so gering wie möglich halten. Je geringer die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs, umso niedriger ist der U-Wert des gedämmten Bauteils.

Informationen über den IVPU und PU Dämmstoffe:
www.ivpu.de


 

Fachbegriffe aus der Bauphysik
Wärmedurchlasswiderstand R und Wärmedurchgangskoeffizient U-Wert
Der Wärmedurchlasswiderstand R beschreibt die Wärmedämm­wirkung einer homogenen Bauteilschicht. Je größer der Wärmedurchlasswiderstand dieser Bauteilschicht, desto größer seine Wärmedämmwirkung. Der R-Wert hat die Maßeinheit (m²·K)/W und gibt den Widerstand an, den eine homogene Bauteilschicht dem Wärmestrom bei einem konstanten Temperaturunterschied von einem Grad (1 K) auf einer Fläche von 1 m² zwischen seinen Oberflächen entgegensetzt. Bei mehrschichtigen Bauteilen addieren sich die Wärmedurchlasswiderstände der einzelnen Schichten. Der R-Wert ist der Quotient aus Dicke d und dem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit eines Bauteiles. R = d/λ (nach DIN EN ISO 6946).
Je kleiner der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert), desto geringer der Wärmeabfluss durch das Bauteil. Der U-Wert hat die Maßeinheit W/(m²·K) und gibt an, welche Wärmeleistung durch das Bauteil pro Quadratmeter strömt, wenn die Außen- und Innenfläche einem konstanten Temperaturunterschied von einem Grad (1 K) ausgesetzt sind. Bei mehrschichtigen Bauteilen wird der U-Wert aus der Summe der Wärmedurchlasswiderstände der einzelnen hintereinander liegenden Bauteilschichten sowie der Wärmeübergangswiderstände zur umgebenden Luft an den beiden Oberflächen errechnet.
Durch ein gut gedämmtes Dach mit einem U-Wert von 0,14 W/(m²·K) fließt zehnmal weniger Wärme als durch ein nicht gedämmtes Dach mit einem U-Wert von 1,40 W/(m²·K).