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Ausgabe Oktober 2017

 

Baubranche ist weiterhin Motor der Wirtschaft

Ganz gleich, wer nach der Bundestagswahl in welcher Konstellation in Berlin die Geschäfte übernimmt: Irgendwas muss die Vorgänger-Regierung wohl richtig gemacht haben. Das jedenfalls lassen die Prognosen des Ifo-Instituts vermuten, die die (geschäfts-
führend derzeit noch amtierende) Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries jüngst vorgestellt hat.

Demnach beträgt das Wirtschaftswachstum (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) für dieses Jahr 2 Prozent und im kommenden immerhin 1,9 Prozent. »Die nächste Bundesregierung muss dafür sorgen, dass das so bleibt«, fordert die scheidende Ministerin, und man sieht sie vor dem inneren Auge bereits auf der
Oppositionsbank sitzen.

Verantwortlich für diese positive Entwicklung sind laut Gutachten der boomende Export und die gute Binnennachfrage, insbesondere in der Bauwirtschaft: Niedrige Zinsen und die gleichzeitig immer noch hohe Nachfrage nach Wohnraum sorgen dafür, dass die Bauinvestitionen im Jahr 2017 um vermutlich 4,3 Prozent steigen, im Jahr 2018 sollen sie laut Prognose nochmals um 4,3 Prozent zulegen. Gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen um 660 000 gestiegen und damit so hoch wie schon lange nicht.

Wer auch immer in Berlin das Ruder übernimmt: Die Herausforderungen für die Zukunft stehen aus Sicht der Baubranche fest. Sie sind den Forderungen sehr ähnlich, die viele Verbände vor der Wahl den Parteien ins Stammbuch geschrieben haben: Einerseits muss das Erreichen der Klimaziele bezahlbar bleiben, andererseits müssen genug Fachkräfte verfügbar sein, um derlei ehrgeizige Ziele zu erreichen und anspruchsvolle Zukunfts-Projekte zu meistern. Gleichzeitig sollen diejenigen, die dieses Wirtschaftswachstum mit ihren Händen im Wortsinn erschaffen, auch teil-
haben am Wohlstand.

Dass dies nicht immer gelingt, macht die anhaltende Misere um bezahlbaren Wohnraum deutlich, die überwiegend in den Ballungszentren immer deutlicher zutage tritt. Ob Student oder Arbeitsloser, ob Geflüchteter oder Rentner: Sie alle zahlen ein wenig die Zeche dafür, dass in Zeiten niedriger Zinsen die Investoren über den Immobilienmarkt ihre Rendite sichern wollen.

Den Vorwurf des »Spiegel«, allein die Bauwirtschaft sei für gestiegene Preise verantwortlich und ihr gehe es »einfach zu gut«, weist denn auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) energisch zurück: Laut Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa weichen die Preissteigerungen am Bau mit einem Plus von 2,2 Prozent kaum von der regulären Teuerungsrate ab. »Die Bauwirtschaft baut nur diejenigen Wohnungen, die von Bauherren und Bauträgern beauftragt werden«, wird er in einer Pressemitteilung zitiert. Und die Investoren-Nachfrage liege »quasi alternativlos« im hochpreisigen Bereich.

Der Verband wiederholt deshalb seine Forderung an die Politik, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und Baukosten zu senken – unter anderem durch mehr Sozialen Wohnungsbau, niedrigere Baulandpreise und weniger Normen und Verordnungen. Man darf gespannt sein, wie dazu eine »Jamaika«-Lösung aussehen wird…

Herzliche Grüße

Jan Rieken