baustoffPARTNER

Ausgabe Mai 2017

 

Viele Themen, wenig Personal

Immer deutlicher ist zu spüren: Wir sind in einem Superwahljahr!  Da werden von allen Seiten immer lauter Forderungen gestellt, an anderer Stelle dann Lösungen versprochen oder Zugeständnisse gemacht. Aus Wahlkampfgeklingel wird dann schon auch mal ein schriller Alarm und es ist nicht immer einfach, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Natürlich nehmen auch die Diskussionen um die Dauerbrenner-­Themen der Baubranche wieder an Fahrt auf: Der Streit um ein schlüssiges Entsorgungskonzept für Dämmstoffabfälle gehört in diesen Reigen – nachdem sich noch immer bei vielen Bau­unternehmen in den Hinterhöfen containerweise das zu entsorgende Material stapelt und ein regelrechter »Entsorgungs-­Tourismus« zwischen strengen und weniger strengen Bundesländern entstanden ist, wurde das Thema erst mal wieder vertagt. Dessen ungeachtet haben sich Betroffene zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die sich durch Lobby-Arbeit auf der einen und praktische Hilfestellung für Betroffene auf der anderen Seite für eine praktikable und wirtschaftlich sinnvolle Lösung bei der Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle stark machen: Die AG EHDA stellen wir auf Seite 47 vor.

Gäbe es dieses Konzept bereits, käme man beim nächsten Dauerthema möglicherweise besser voran: Bei der Frage nämlich, welche Rolle die Sanierung im Bestand für das Erreichen der Energie- und Klimaschutzziele sowie für die dringende Beschaffung bezahlbarer Wohnungen in Ballungsgebieten spielen könnte. Für Hersteller wie Schlagmann Poroton wäre eine aufgestockte staatliche Förderung nach bekannten Modellen mit Beteiligung der KfW wünschenswert (s. Blickpunkt, S. 10).

Der Vorschlag, den die Deutsche Energie-­Agentur (dena) und das Bundeswirtschaftsministerium gerade vorgestellt haben, fällt
indes beim Bundesverband Energieeffiziente Gebäude­hülle (BuVEG) durch: Der vorgestellte »gebäudeindividuelle Sanierungsfahrplan« sei halbherzig, moniert BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs. Zwar lobt er, dass Sanierungs- und Fördermöglichkeiten besser strukturiert werden können, vermisst aber zusätzliche Anreize, am Haus etwas zu tun. Der Verband, der alle an der Gebäudehülle
beteiligten Gewerke repräsentiert, fordert eine bessere und einfachere Förderung – speziell, um den Sanierungs­rückstand bei
Ein- und Zweifamilienhäusern in den Griff zu bekommen. Damit das vorgestellte Instrument Wirkung entfalte, solle ein Sanierungsfahrplan bei Eigentümerwechseln zur Pflicht werden.

Für die Profis am Bau, die jetzt im Frühlings-Hoch vor prall gefüllten Auftragsbüchern sitzen, kommt das nächste Langzeit­-Dilemma ins Spiel: Fehlendes Personal. Ein Klagelied, in das auch zunehmend auch die Behörden einstimmen, denn hier verschleppt der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern manch dringend benötigte Genehmigung.

Herzlichst
Jan Rieken