baustoffPARTNER

Ausgabe Februar 2018

 

Unser Editorial für die Aussen-Ausgabe:

Ein Koalitionsprogramm voller Kriegsrhetorik

Würde die Baubranche nicht schon boomen – der Koalitionsvertrag der vermutlich nächsten Regierung könnte dafür sorgen. Was die Parteien da auf 170 Seiten zu Papier gebracht haben, steckt
voller Zusagen, Forderungen und Angebote, die allesamt ehrenwerte Ziele verfolgen: Es geht um bezahlbaren Wohnraum, natürlich in lebenswerten Städten, oder um die Einhaltung von Klimazielen durch energetische Sanierung – die übrigens ebenso gefördert werden soll wie der Erwerb von eigenem Wohnraum durch Familien.

Aber: Die Auftragsbücher im Baugewerbe sind in diesen Tagen
genauso voll wie in den vergangenen Wochen, viele Betriebe
können auf Monate keine Aufträge mehr annehmen und sind obendrein auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Auch da will die Große Koalition, wenn sie es denn in die Regierungssessel schafft, natürlich Abhilfe schaffen – unter anderem durch mehr Frauen im Berufsleben.

Noch teurer als guter Rat sind derzeit nur noch Baugrundstücke – für viele der Haupt-Preistreiber, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht. Mit großer Entschlossenheit will die Politik dieses drängende Problem angehen. Vielleicht ist genau deshalb das geplante Vorgehen in fast militärischen Worten formuliert: Ein »Wohngipfel 2018« soll Kräfte bündeln und Eckpunkte für eine »Wohn-
raumoffensive« vereinbaren, das »Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen« wird fortgesetzt und gegen die horrend steigenden Baulandpreise wird eigens die Kommission »Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik« gegründet.

Rein rhetorisch klingt dieser Plan wie eine Geheimwaffe. Ob und welche Impulse davon auf das ohnehin schon boomende Handwerk ausgehen, wird sich schnell zeigen. In den kommenden
Wochen trifft sich die Branche ohnehin gleich mehrfach: Messen wie die Dach+Holz in Köln oder die alle drei Jahre in Stuttgart stattfindende R+T stehen an.

Weil demnächst aber auch die Fensterbau Frontale mit der Holz-Handwerk stattfindet und die Domotex gerade hinter uns liegt, erscheint der baustoffPARTNER als Doppelheft mit Wende-Cover: Erstmals haben wir zwei Titelseiten mit jeweils voneinander unabhängigen Ausgaben, eine für Innenthemen und eine für die Außen-Gewerke. Wundern Sie sich also nicht, dass in dieser Februar-Ausgabe eine Titelseite »verkehrt herum« ist. Die Welt mag vielleicht Kopf stehen, aber wir tun es nicht.

Die März-Ausgabe ist dann wieder exklusiv den Außengewerken gewidmet sowie den Messe-Nachberichten.

Unser Editorial für die Innen-Ausgabe:

Wir sind Individualisierung

Den Aspekt der »Individualisierung« haben die Veranstalter der Domotex als Megatrend erkannt – und entsprechend gehandelt. Das Thema wurde von den Besuchern gut angenommen und von den Ausstellern auf eine Art und Weise mit Leben gefüllt, die der momentanen Stimmung gerecht wird: Voller prickelndem Optimismus und sprühend vor Ideen! Dass der Bodengestaltung bei Farben, Mustern und Materialien der Kreativität kaum mehr Grenzen gesetzt sind, hat die Branche den Fachbesuchern in Hannover eindrucksvoll vor Augen geführt.

Dass das Marketing der Deutschen Messe aus diesem Trend zur individuellen Gestaltung dann »Unique Youniverse« macht, ist wohl der Internationalität dieser Weltleitmesse geschuldet. Da möchte man den Verantwortlichen einerseits zu einer sprachlichen Trittschalldämmung raten, andererseits haben genau dieselben Menschen aber zur Freude aller am gesamten Messe-Konzept gefeilt und mit der neuen Hallenbelegung sowie der um einen Tag verschobenen Messedauer dem Großteil der Aussteller einen Gefallen getan – vielen, aber längst nicht allen: Vor allem am ersten Messetag standen (besonders in den Hallen mit orientalischem Angebot) deutlich mehr Paletten und Gitterboxen in den Gängen als in den Jahren zuvor…

Den individuellen Wünschen einiger Aussteller würde es sicher entsprechen, den bisweilen turbulenten Jahresauftakt im Messekalender etwas zu entzerren. Die Messefieberkurve schlägt hoch aus angesichts der nachfolgenden Veranstaltungen wie der Dach+Holz,
der Fensterbau Frontale mit gleichzeitiger Holz-Handwerk oder der nur alle drei Jahre stattfindenden R+T in Stuttgart. Der Aufwand, den immer mehr Aussteller betreiben, um sich Kunden, Medien und Mitbewerbern zu präsentieren, ist immens: personell, finanziell und logistisch ist einiges zu stemmen.

Um diesem Aufwand – unabhängig von Innen- oder Außengewerk –
eine ansprechende mediale Plattform zu bieten, gehen auch wir neue Wege und tragen dem Trend zur Individualisierung Rechnung: Der baustoffPARTNER erscheint im Februar erstmals als Doppelheft mit Wende-Cover. Das heißt: Wir haben zwei Titelseiten mit jeweils voneinander unabhängigen Ausgaben, eine für Innenthemen und eine für die Außen-Gewerke. Wundern Sie sich also nicht, dass in dieser Februar-Ausgabe eine Titelseite »verkehrt herum« ist. Die Welt mag vielleicht Kopf stehen, aber wir tun es nicht.

Die April-Ausgabe ist dann wieder exklusiv den Innengewerken gewidmet und präsentiert die ausführlichen Messe-Nachberichte.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht,
herzlichst,

Jan Rieken